Forschung

In meiner Dissertation untersuche ich, wie medizinisches Personal durch Narrative über Patient*innen normative Vorstellungen – etwa im Kontext der ‚Volksgemeinschaft‘ – stabilisierten. Gleichzeitig analysiere ich, wie Betroffene, je nach ihrer intersektionalen Position, eigene Narrative entwickelten und Handlungsspielräume nutzten. Besonderes Interesse gilt dabei der konkreten Behandlungspraxis gegenüber queeren Personen.

Als Quellen dienen Patient:innenakten der Universitäts-Nervenklinik Halle (Saale) aus den Jahren 1929 bis 1939. Die Akten dokumentieren Aufenthalt und Behandlung aus der Perspektive der Klinik und geben Aufschluss darüber, wer im Nationalsozialismus als zugehörig zur „Volksgemeinschaft“ galt und wer nicht.

Die Analyse zeigt, dass die Kategorie „race“ – also die zugeschriebene rassische Zugehörigkeit – für die Behandlung eine größere Rolle spielte als geschlechtliche oder sexuelle Abweichungen. Da die behandelten Personen als „arisch“ galten und somit als „rassisch wertvoll“, wurden geschlechtliche und sexuelle Abweichungen als prinzipiell behandelbar angesehen, etwa durch Gesprächstherapien, Beruhigungsmittel oder Hormontherapien.


Veröffentlichungen

Zuletzt erschienen:

Mia Göhring, Amelie Bartz, Anton Schulte. Neuer Rundgang – Queer History oder Geschlecht, Begehren und Sexualität im Kontext von NS-Zwangsarbeit. In: Newsletter der Gedenkstätte für Zwangsarbeit Leipzig, Nr.14, Dezember 2025.

Joy Reissner, Anton Schulte, „Not just cis-ters: Queer History und ihre Potentiale für Geschlechtergeschichte.“ in: Neumann, Andreas, Pia Marzell, Lisa-Marie Oelmayer, Katharina Breidenbach,Silke Meinhardt, und Maren Möhring. Geschlechtergeschichte bleibt?! Herausforderungen und Perspektiven historischer Geschlechterforschung. S.l.: transcript Verlag, 2025, 121 – 132.

Blogartikel über mein Promotionsprojekt, https://hisgoespub.hypotheses.org/3420

Anton Schulte, Sexualität und Geschlecht im Spiegel der Akten der „Universitäts-Nervenklinik“ Halle (Saale), 1929–1939″  . HISTORY GOES PUBLIC. Abgerufen am 12. Juli 2024 von https://doi.org/10.58079/xv8h.

Schulte, Anton,Walter & Ernestine: Lebenssituationen von trans und geschlechtsunkonformen Personen in Frankfurt am Main und Wien in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. In: tin*stories. Trans | inter | nicht-binäre Geschichte(n) seit 1900 (Münster: Edition Assemblage, 2022.

Rezension zu Julia Austermann: Visualisierungen des Politischen. Homophobie und queere Protestkultur
in Polen ab 1980, in: Nordost-Archiv XXIX (2020).

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